Hopp, hopp, hopp! Wechselst Du den Job?

Hopp, hopp, hopp! Wechselst Du den Job?

Alle Jahre wieder: Pünktlich zum Jahresbeginn machen viele von uns sich eine Menge Vorsätze: Abnehmen, mehr Sport, bewusster leben oder aber auch die Karriere mal wieder in Angriff zu nehmen.

Die eigene berufliche Entwicklung geht nicht selten mit einem Wechsel zu einem anderen Unternehmen einher. Von einem neuen Arbeitsplatz versprechen sich viele nicht nur eine spannendere Tätigkeit, eine größere Herausforderung, sondern natürlich auch einen merklichen Gehaltssprung. Derzeit wechseln wir in Deutschland im Schnitt alle vier Jahre den Arbeitgeber. Von der Ausbildung bis zum Renteneintritt in ein und demselben Unternehmen tätig zu sein, wird heutzutage immer seltener. Der Trend zum Jobhopping, also zum häufigen Wechsel der Arbeitsstelle, ist in allen Industrieländern zu beobachten. Unternehmen tun sich aber oft noch schwer damit, dieses Phänomen einzuschätzen und mit ihm umzugehen.

Ein gesundes Maß an Skepsis

Viele Personalabteilungen begegnen Jobhoppern mit Skepsis. Ein Grund dafür mag einerseits eine überholte Sicht auf Beschäftigungsverhältnisse sein. Dass man als Arbeitnehmer in einem Betrieb alt wird, weil das für lange Zeit ein bewährtes Modell war. Andererseits befürchten sie, dass Bewerber, die ständig vom einen Job zum nächsten tingeln, auch im neuen Unternehmen nicht lange verweilen werden. Den HR-Managern stellt sich die Frage, ob sich die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters finanziell und zeitlich überhaupt lohnt, wenn man am Lebenslauf bereits erkennt, dass er oder sie jedes Jahr die Arbeitsstelle wechselt. Auch erscheint die Arbeitsmoral eines solchen Kandidaten zunächst fragwürdig. Um die Loyalität zum zukünftigen Arbeitgeber kann es da nicht gut bestellt sein, so dass der persönliche Einsatz vermutlich eher unterdurchschnittlich bleibt. Solche Bedenken sind durchaus berechtigt. Besonders wenn der Lebenslauf eines Bewerbers nur extrem kurze Etappen aufweist und ein wildes Durcheinander bei den Branchen und Tätigkeitsfeldern herrscht. Aber trotzdem sollte vor allem darauf geachtet werden, wie der- oder diejenige die ständigen Wechsel begründet, und ob sich vielleicht doch ein individueller roter Faden erkennen lässt, welcher direkt zum eigenen Unternehmen hinführt. Beispielsweise können viele Wechsel innerhalb eines Unternehmens andeuten, dass der Arbeitnehmer dort geschätzt wird, ihm neue Positionen zugetraut wurden. Liegen zudem gut Zeugnisse vor, ist das Jobhopping per se nicht negativ aufzufassen. Auch bei Berufseinsteigern sind Wechsel eher die Regel, denn sie befinden sich ja noch in der beruflichen Orientierungsphase.

Erkenne Potentiale

Für die heutigen Personaler ist es daher ungemein wichtig, Lebensläufe nicht kategorisch auszusortieren, sobald es Hinweise auf Jobhopping gibt. Vielmehr müssen sie von Fall zu Fall neu prüfen und entscheiden, ob die jeweiligen Tätigkeiten relevant für die ausgeschriebene Stelle sein können. Hier heißt es vor allem, um die Ecke zu denken. Manche Qualifikationen können an anderer Stelle ebenfalls zur Geltung kommen. Erfahrungen in der Gastronomie können beispielsweise auf ein besonderes Dienstleistungs- und Servicebewusstsein sowie einen guten Umgang mit Menschen hinweisen. Dies kann sowohl im Verkauf als auch bei Bürojobs mit viel Teamarbeit von Vorteil sein. Viele unterschiedliche Erfahrungen gesammelt zu haben, weist außerdem auf ein hohes Maß an Flexibilität hin und zeigt, dass die- oder derjenige fach- und branchenübergreifend denkt. Die Devise heißt divers zu sein und neue Perspektiven zuzulassen.

Selbstreflexion

Jobhopping darf aber nicht nur als Phänomen verstanden werden, das allein vom Arbeitnehmer ausgeht. Unternehmen müssen auch die eigene Firmenpolitik hinterfragen. Oftmals sind es befristete Arbeitsverträge, die nicht verlängert werden, oder mangelnde Weiterentwicklungschancen, die Arbeitnehmer wieder auf den Markt treiben, also Umstände, welche die Arbeitgeber selbst verantworten. Unternehmen dürfen Jobhopping nicht unreflektiert vorverurteilen und sollten außerdem daran arbeiten, Angestellte wieder an das Unternehmen zu binden. Arbeitsstellen sollten attraktiv sein. Finanziell, inhaltlich und auch in puncto Auftstiegschancen müssen positive Signale gesendet werden. Auch eine gesunde Unternehmenskultur trägt dazu bei, dass sich die Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber identifizieren und eher treu bleiben. Nichtsdestotrotz kann ein richtiger Stellenwechsel zur richtigen Zeit für beide Seiten gewinnbringend sein. Man sollte nur nicht den Job häufiger wechseln als die Unterwäsche.

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