To Sie, or not to Sie, that is the question?

To Sie, or not to Sie, that is the question?

Sagst Du Sie, oder sagen Sie lieber Du? Eine simple Frage, und doch ist sie recht komplex und erfordert hier und da einiges an Fingerspitzengefühl. In vielen Unternehmen wurde in den letzten Jahren das kollektive Du eingeführt. Das liegt nicht zuletzt an der zunehmenden Internationalisierung und dem damit verbundenen Bedeutungsgewinn der englischen Sprache (im Englischen wird ja quasi immer geduzt) sowie an vielen jungen Start-ups, in denen es für gewöhnlich ungezwungener zugeht. Aber – und das sei als Wichtigstes vorweg gesagt – das Du ist kein Allheilmittel. Damit man sich im Dschungel der Anreden nicht verwirrt, haben wir im Folgenden einige Vor- und Nachteile des Duzens und Siezens zusammengefasst.

Ein ehrliches Du schafft mehr Wir

Der entscheidende Vorteil des Du liegt im Abbau von Distanz, was gerade die Integration neuer Mitarbeiter erleichtert. Ein Du wirkt allemal vertrauter als ein Sie, es lässt Hierarchien flacher erscheinen, sodass durch Förmlichkeiten bedingte Hemmschwellen geringer werden und somit das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wird. Dies ist besonders auf Verkaufsflächen nicht unwichtig, da Kolleginnen und Kollegen dort das Unternehmen als Einheit vertreten. Ein Chef wird durch ein Du nahbarer und überhaupt die Unternehmenskultur zugänglicher. Gerade wenn der Teamleiter einige Kollegen duzt und andere siezt, kann das für neue Mitarbeiter schwierig werden, Hierarchien einzuordnen und auch für ein Ungleichgewicht innerhalb der Abteilung sorgen. Ein Du für alle schafft klare Verhältnisse.

 Die Schwierigkeiten des Du

Ein kollektives Du kann aber auch zu Unmut führen. Mancher mag in der Arbeit gern gesiezt werden und sieht sich durch die zwanglose Anrede seiner beruflichen Integrität beraubt. Das größte Risiko des Du liegt jedoch in der Annahme falscher Vertrautheit, die verbale Entgleisungen nach sich ziehen und einen respektvollen Umgang beeinträchtigen kann. Eine Beleidigung rutscht mit einem Du viel leichter heraus als mit Sie. Siezen erlaubt eine gewisse Distanz, die Respekt, Höflichkeit und auch Sachlichkeit mehr Raum geben kann. Zwar mag man mit dem Sie Gefahr laufen, antiquiert und unnötig formell zu wirken, doch liegt man damit gerade anfangs selten verkehrt.

Ein Hamburger Kompromiss

Kollektives Sie wie Du birgt Schwierigkeiten, die aber keinesfalls auf jedes Team oder Unternehmen zutreffen müssen. Für alle, die sich weder mit einem klaren Sie oder Du anfreunden können, bietet das sogenannte „Hamburger Sie“ einen Ausweg. Die Kombination aus Sie und Vornamen schafft eine gewisse Vertrautheit ohne dabei Formalitäten gänzlich außer Acht zu lassen. Das „Hamburger Sie“ vereint Professionalität mit Sympathie.

Du Chef?

Gibt es in einem Unternehmen oder einer Abteilung keine klare Regelung zur Anrede, dann gilt grundsätzlich, dass es das Vorrecht des Chefs ist, das Du anzubieten. Kommt man allerdings als neuer Vorgesetzter in ein bestehendes Team, sollten zunächst die etablierten Verhältnisse respektiert werden, bevor man etwas ändert. Ist das Team bereits per Du, können Vorgesetzte natürlich trotzdem erst einmal ein Sie sein. Zu bedenken gilt außerdem: Einzeln ausgesprochene Dus können auf andere Mitarbeiter den Eindruck erwecken, dass die Chefin manch einen bevorzugt behandelt, außerdem sollten ein auf der Weihnachtsfeier im Rausche rausgerutschtes Du vom Vorgesetzten nicht überbewertet werden – den Chef am nächsten Tag lieber noch einmal siezen (war das Du ernst gemeint, wird er es bekräftigen).

Das Du in der Kritik

Vor einiger Zeit hat der Vorstand der Otto-Gruppe den Schritt zum Du gewagt. Hans-Otto-Schrader ist jetzt „Hos“, für Topmanager wie für Lageristen. Beim Modeversand Zalando duzt man sich von Anfang an, weil es Teil der Unternehmenskultur ist. Und zu dieser muss es in jedem Fall passen. Das Du löst nicht kategorisch alle Hierarchien auf, soll es auch gar nicht, aber es darf nicht nur eine Floskel sein, sondern muss gelebt werden. Egal wie oft ein Du fällt, ist die Vertrautheit nur aufgesetzt, dann entwickelt sich auch kein Wir-Gefühl. Es ist egal, wie man sich anredet. Die Hauptsache ist, man macht es ehrlich und nicht nur um des Effektes willen, denn sonst besteht das Risiko, dass echte Unstimmigkeiten und Probleme verschleiert werden.

Haben Sie es nun bis hierher geschafft und bist immer noch unsicher, dann ist das überhaupt nicht schlimm. Jedes Team ist anders – auch Ihres. Die oben genannten Punkte kannst Du als flexible Richtlinien verstehen. Ganz nach dem Motto: Siezt Du noch oder duzen Sie schon!

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